Hirntumore

Hirntumore stellen eine heterogene Gruppe von gutartigen oder bösartigen Läsionen des Zentralnervensystems (ZNS) dar. Bei einem Hirntumor kommt es dabei zu einem ungebremsten Wachstum von Zellen im Bereich des ZNS. Die Inzidenz von Hirntumoren in Österreich beträgt ungefähr 18 Fälle pro 100.000 Einwohner. Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden mehr als 120 verschiedene Hirntumorarten unterschieden.

 

Klinische Symptomatik

Abhängig von der Lokalisation des Tumors, kann ein Hirntumor unterschiedliche Beschwerden hervorrufen. Häufige Symptome stellen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, epileptische Anfälle, Persönlichkeitsveränderungen sowie Sprach- und Sehstörungen dar.

 

Diagnostik

Bei Verdacht auf Vorliegen eines Hirntumors ist eine umgehende neurologische Untersuchung sowie bildgebende Abklärung erforderlich. Zur akuten bildgebenden Abklärung wird dabei häufig eine Computertomographie (CT) des Schädels durchgeführt. Zur genauen Charakterisierung eines Hirntumors ist die Magnetresonanztomographie (MRT) mit Gabe von Kontrastmittel die Diagnostik der Wahl.

 

Behandlung

Zur symptomatischen Therapie wird abhängig von der Art des suspizierten Tumors eine antiödematöse Therapie mit Kortison und/oder eine antikonvulsive Therapie zur Prophylaxe oder Behandlung von epileptischen Anfällen eingeleitet.

Die weitere Wahl der Behandlung hängt von der Art des suspizierten Tumors sowie der Tumorlokalisation ab. Grundlegend ist jedoch eine präzise histopathologische Diagnosestellung der Tumorart, wenn möglich durch eine neurochirurgische Tumorentfernung. In manchen Fällen wird auch eine diagnostische Sicherung der Tumorart durch eine Nadelbiopsie durchgeführt.

Nach Vorliegen der histopathologischen Tumordiagnose wird dieser Befund normalerweise im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards gemeinsam mit Radiologen, Neuropathologen, Onkologen und Strahlentherapeuten besprochen. Somit kann für jeden Patienten ein individuell angepasstes Therapiekonzept erstellt werden. In manchen Fällen kann nach der Operation die Einleitung einer Chemotherapie und/oder Strahlentherapie notwendig sein.

Laufende Nachkontrollen im Anschluss an eine Operation sind erforderlich, um ein mögliches Tumorrezidiv rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Warum ist die Planung der Operation so wichtig?

Ziel des neurochirurgischen Eingriffs ist die komplette Entfernung des Hirntumors unter Schonung der umliegenden funktionell aktiven Hirnareale, wie beispielsweise das Sprachzentrum, die Motorik und die Sehbahn.  Sowohl die Art des Operationszugangs zum Hirntumor als auch die präzise Eingrenzung des Tumors durch Untersuchungen im Vorfeld des Eingriffes entscheiden maßgeblich über den Erfolg einer Operation.

Während der Operation werden modernste technische Geräte zur Gewährleistung einer maximalen Patientensicherheit eingesetzt. Durch den Einsatz der neuartigen dreidimensionalen Operationsplanung kann für jeden Patienten ein individuell maßgeschneiderter Operationszugang vor dem Eingriff geplant werden.

Üblicherweise wird die neurochirurgische Hirntumoroperation in Vollnarkose vorgenommen. Sind funktionell wichtige Hirnareale vom Tumor betroffen (z.B. Sprachzentrum, Motorik, Sehbahn), kann der Eingriff auch unter lokaler Betäubung und/oder regelmäßiger Überwachung der Hirnfunktionen durchgeführt werden. Zusätzlich kann die Technik der Faserbahndarstellung funktionell wichtige Faserbahnen während der Operation darstellen. Durch solche Techniken kann eine maximale Sicherheit für den Patienten erreicht werden und das Risiko eines neurologischen Defizits nach der Operation minimiert werden.

Zusätzlich können bestimmte Hirntumore durch den Einsatz eines fluoreszierenden Farbstoffs (5-Aminolävulinsäure; 5-ALA) während der Operation besser sichtbar gemacht werden. Dies erleichtert sowohl die Biopsie des Tumors, aber auch die „radikalere“ Entfernung von Hirntumoren.