Wiener Wissenschafter lassen Gehirntumore leuchten

Nadel-Biopsien sind ein etabliertes Standardverfahren bei der Diagnosestellung von Hirn-Lymphomen und bestimmten hirneigenen Tumoren (Gliomen). Die entnommenen Gewebeproben mussten bisher während des Eingriffs an der Neuropathologie auf Tumorzellen untersucht werden. Um sicher zu sein, waren bisher mehrfache Biopsien notwendig. Mit dem Fluoreszenzmarker 5-ALA kann hingegen die korrekte Entnahmestelle der Tumorbiopsie und damit die exakte Diagnose sofort im Operationssaal bestätigt werden. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universitätsklinik für Neurochirurgie der MedUni Wien am Wiener AKH.

Der Fluoreszenzmarker 5-ALA ermöglicht eine exakte Diagnose von Hirn-Lymphomen und hirneigenen Tumoren schon im Operationssaal.

Der Patient muss dafür den „Farbstoff“ als Fluoreszenzmarker (5-Aminolävulinsäure; 5-ALA), in Wasser aufgelöst rund vier Stunden vor der Operation zu sich nehmen. Durch die tumorbedingte Störung der Blut-Hirn-Schranke (das ist die physiologische Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem) sowie vermutete Enzymdefekte in der Tumorzelle reichert sich 5-ALA dort selektiv an. Während der Operation wird dann ein Blaulicht vom Operationsmikroskop ausgesendet, das die Tumorzellen bei Verwendung von 5-ALA in roter Farbe fluoreszieren lässt, teilte die MedUni Wien am Montag mit.

Aggressive Anteile leuchten

Bisher wurde 5-ALA bei der neurochirurgischen Entfernung von aggressiven Hirntumoren (Glioblastomen) bereits erfolgreich eingesetzt. „Mit unserer Studie haben wir nachgewiesen, dass es auch bei der Biopsie nützlich und effizient ist“, sagte Studienautor Georg Widhalm. „Bei klarer 5-ALA Fluoreszenz der Tumorprobe kann nun die Biopsie beendet werden, ohne eine neuropathologische Untersuchung während des Eingriffes und eine Serienbiopsie durchführen zu müssen. Daraus resultiert eine deutlich verkürzte Eingriffsdauer und erhöhte Sicherheit des Eingriffs“, erklärte er.

Zusätzlich konnte erstmals nachgewiesen werden, dass nur die aggressiven Anteile der Geschwulst bei hirneigenen Tumoren leuchten. Das ermöglicht die Entnahme der Tumorprobe exakt an der richtigen Stelle, dem sogenannten Hotspot – sowohl bei der Entfernung als auch bei der Biopsie von Tumoren.

Dadurch wird eine exakte Bestimmung des Tumorgrades entsprechend der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermöglicht. Stefan Wolfsberger, der Studienleiter: „Liegt bereits ein WHO-Grad III und damit ein rasch wachsender Tumor vor, kann man sofort die richtige Therapie nach dem neurochirurgischen Eingriff veranlassen.“ Das reicht von der Chemo- bis hin zur Strahlentherapie mit dem Ziel der Maximierung der Lebenserwartung der Betroffenen.

(DIE PRESSE, 22.4.2013)